Industrialisierung des Druckgewerbes

Bernd Zipper, Zipcon consulting GmbH, galt einst als IT-naher Überflieger der Druckbranche. Seit dem Siegeszug des Digitaldrucks – von Zipper vorhergesehen – gilt er als Branchen-Guru für den Gesamtmarkt Druck. Bei Verbandstagungen und Online-Print-Symposien gehören seine Vorträge zu den Highlights, wie z.B. am 15.5. in München. Hier seine Prognosen: Das Online-Druckvolumen von 2,4 Mrd. Euro in 2013 im Raum Deutschland/Österreich/Schweiz wird in den nächsten Jahren weiter kräftig anstei- gen. Das geschätzte Volumen liegt bei 6 Mrd. Euro, während der Printmarkt total bei 24 Mrd. Euro stagniert. Von den 1600 Online-Druckern seien aber nur 100 echte Player am Markt. Wäh- rend klassische Akzidenz-Druckereien noch deutlicher am Markt verlieren werden, empfiehlt Zipper die Hinzunahme von Business-Druck-Portalen, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen.

Das läuft auf eine weitere starke Industrialisierung der Druckbranche hinaus. Sogar eine 4.0-Industrie-Automatisierung sei absehbar, d.h. eine vollautomatische Steuerung der Produktion durch den Markt. Dabei werden Business-Kunden als Besteller wie Endkunden gesehen. Auch sie sollten Spaß an der Bestellung haben. Ihre Bedürfnisse rücken in den Vordergrund. Nach 2020 würden über 50 % der Aufträge übers Netz erfolgen. Die Druckbranche spaltet sich auf in Druckfabriken (Online, Großdruckereien, Verpackung), in Commodity-Print (Akzidenzen, Digitaldruck für Wertdruck und Sonderfälle) und in Manufakturen/Spezialdruckereien für Druck als Lifestyle und Sonderanwendungen. Niemand könne diese Evolution des Marktes aufhalten. Der UV-Druck verdrängt dabei den Siebdruck. Weitere Trends: Auf ‚Mobiles‘ werde die Online-Bestellung vorbereitet (Marktsondierung), Special Interest Shops z.B. für Gastronomie übernehmen deren Druckprodukte, ähnlich wie Print als AddOn in Portale eingebettet wird (agile Vermarktung von Druckdienstleistungen). Der Service bei Online-Druckereien werde weiter zunehmen. Hingegen falle der 3-D-Druck anderen Branchen zu.

Andererseits entdeckt Zipper einen zunehmenden Trend zum lokalen Drucken. Die Anonymität des Netzes, die mangelnde Kontrollierbarkeit von Qualität und Termin der Lieferung bestärkt den persönlichen Kontakt des Business-Bestellers zu seinem Druckhaus. Die Leistungsfähigkeit muss aber gegeben sein. Damit bestärkt Zipper die Firmenphilosophie der KASTNER AG.