(kw) Im Herbst 1989 begann die Wolnzacher Anzeiger E. Kastner KG mit der Organisation und Durchführung von Ausstellungen junger Künstler, meist Studenten der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Prof. Gerd Dengler lebte damals bei Wolnzach und bot sich an, beim Aufbau der Galerie des Wolnzacher Anzeigers (WA), der Tageszeitung Wolnzachs, zu helfen. Seine Schülerin Doris Würgert startete. Jeder Ausstellende bekam vom Druckhaus Kastner einen kleinen Katalog hergestellt. Während beim Druck der ersten selbst erstellten Lithos noch Tränen flossen, wurde die Qualität schnell gesteigert, entstand große Kompetenz bei der Wiedergabe von Kunst und damit für alle anspruchsvollen Reproduktionen. Die Mitarbeiter des Druckhauses lernten, die Farben mit den Augen der Künstler zu sehen.
Jedem Künstler wurde ein Pate zur Seite gestellt. Meist hielt er die Einführungsrede. So kamen Prof. Rudi Seitz, Prof. Dr. Claus Hipp, Dr. Michael Tacke und Prof. Wieland Schmied nach Wolnzach. Die Bewirtung steigerte sich von Vernissage zu Vernissage – da feierten die Wolnzacher die avantgardistische Kunst gerne mit. Eine Band durfte auch nie fehlen. Nach 12 Ausstellungen in 30 Monaten sollte dann Schluss sein. Aber Kultusminister
Dr. Hans Zehetmair meldete sich als Schirmherr in toto an. Mit einem umfangreichen Katalog wurde der „Baracke“ gedacht, die dem Neubau der Akademie weichen musste. Die Akademie der Bildenden Künste hatte ihren Außenstandort Wolnzach gefunden.
Dr. Zehetmair brachte an diesem Abend als Gastgeschenk Wolnzachs das gewünschte Gymnasium. Ein großer Seitenerfolg des Engagements des WA für die Kunst. Die Abstinenz nach den 13 Ausstellungen hielt das Druckhaus nicht lange durch: Der Umsatz sank. Auch die Kunden sahen in den Vernissagen ein Alleinstellungsmerkmal des Druckhauses Kastner. So wurde der Ausstellungszyklus fortgesetzt. 1989 ernannte die Akademie Eduard Kastner zum Ehrenmitglied, eine sehr seltene Auszeichnung, die zuvor nur Persönlichkeiten wie Ludwig Erhard zuteil wurde – neben allen eremitierten Mitgliedern, damit sie den Professoren-Titel weiterführen können. In Dankbarkeit versprach Eduard Kastner, fortan auch die Professoren der Akademie in Wolnzach auszustellen, was durch die Errichtung des Veranstaltungsraums des Deutschen Hopfenmuseums 2004 den idealen Rahmen fand. Zuvor wurde der Rathauskeller genutzt oder jede noch freie größere Räumlichkeit des Druckhauses.

Die Konzerte mit großen Orchestern fanden in der Wolnzacher Pfarrkirche eine ideale Kulisse und Akustik. Sie ergänzten das kulturelle Angebot des Hauses Kastner. Auch Open Airs wurden versucht. Mit der Gründung der KASTNER AG übernahm sie die Rolle des Veranstalters. Der Wolnzacher Veranstalter als Tageszeitung war eh angezählt.
Die Kultur und die Vernissagen überstanden alle Veränderungen des Medienhauses: Die Kunst wurde zum Charakteristikum und zur CSR-Initiative zugleich, lange bevor das Wort corporate social responsibility in den Lehrbüchern stand. Sehr schnell hatte sich die Kreativität der Einladungen und der Veranstaltungen herumgesprochen und auf das Image des ganzen Hauses übertragen.
Wolnzach bekam den Ruf einer Kulturstadt. Und die Weihnachtsgaben erreichten Kult-Status. Das 100-seitige Begleitheft von Doris & Eduard Kastner überhöht die alljährliche Entdeckung.
Die Ausstellung „Bayern & Italien“ wurde als Geburtstagsfeier des Vorstands heimlich dargeboten (50?), aber groß gefeiert. Willikens-, Dali- und Christo- und Klassiker-der-Moderne-Ausstellungen brachten internationalen Ruhm. Die Surrealisten, Dalis Erben, fanden in Wolnzach einen wichtigen Stützpunkt. Nie wurde Kunst zensiert. Die „WA-Galerie“ lebt aus dem Mut, Anderes zu zeigen, jedem Künstler sein Forum zu geben.
Auch die Förderung junger Künstler währt bis heute. Das Katalogsponsoring verselbständigte sich, seit Jahren in Partnerschaft mit der LfA Bayern. Doch auch renommierte Künstler lassen bevorzugt ihre edlen Kataloge in Wolnzach herstellen. Jüngst stieß Gerhard Merz dazu.
Nicht wenige Ausstellungen dienten der Politik und hohen Idealen wie z.B. Polen als Partnerland, Verbindungen zu Beirut, dem nordafrikanischen Frühling. Die Ausstellung „Europa“ wurde von Wolnzach ins Europäische Parlament in Brüssel gebracht. Der Kontaktmann vor Ort hieß Manfred Weber.