Multiple Sklerose (MS) ist heilbar. Die Professoren Roland Martin und Andreas Lutterotti entwickelten ein Bluttauschverfahren, in dem das Immunsystem an die bislang angegriffenen Gehirnzellen gewöhnt wird. 3-5 Monate nach dem Bluttausch stellt sich die Toleranz ein, die dann lebenslang besteht.

Im Detail: An die roten Blutkörper werden beim Bluttausch die Antigene angeklebt, die das Immunsystem als „Feinde“ angegriffen hat. Wenige Stunden nach dem Bluttausch sterben die behandelten Blutkörperchen ab und werden über Milz und Leber entsorgt. Dort findet aber das Training des Immunsystems statt. Durch die große Zahl werden diese Antigene als körpereigene eingestuft und alle CD-8-T-Zellen, die sie angreifen, ausgeschaltet. Dieses Training dauert 3 bis 5 Monate.

Im ersten Schritt beschränken sich Martin/Lutterotti auf die typischen 9 Antigene, die bei 50 % aller Patienten als Angriffsziel gleich sind. Bei den übrigen Patienten muss im Antigenscreening festgestellt werden, welche besonderen Antigene sie tragen bzw. muss bei allen Patienten prinzipiell dieses Identifizierungsverfahren stattfinden. Grundlage ist der Liquor des Gehirns, was bisher schon als Nachweis von MS diente (erhöhter Eiweißgehalt = zerstörte Antigene).

Dieses Gewöhnungsverfahren nach Martin/Lutterotti sollte so früh wie möglich zum Einsatz kommen. In einem fortgeschrittenen Stadium sind viele Komponenten des Immunsystems beteiligt, so dass die CD-8-T-Zellen zwar keine Schübe mehr auslösen, die Zerstörung der Gehirnzellen z.B. durch die aktivierten B-Zellen weitergehen könnte analog zur RR-Verlaufsform der MS. Das neue Verfahren ist die Folge eines klaren Modells der MS, das bislang nicht bestand und von Martin/Lutterotti erarbeitet wurde. Es deckt sich mit den Ergebnissen der Stiftung „Forschung für Leben“.

Übrigens: Die Schübe bei RR-MS enden im normalen Krankheitsverlauf wegen eines kategorischen Abschaltens der T-Zell-Aktivitäten, um eine umfassende Schädigung gesunder Zellen zu vermeiden.

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