Zeitungstrends 2014

Printzeitungen werden noch lange über das tägliche Geschehen berichten, auch wenn Apps und reine Online-Medien immer stärker werden. Die Beilage „Journalisten-Werkstatt“ der Zeitschrift „Medium Magazin“ eröffnete unter „Starke Seiten“ mehrere Empfehlungen für Zeitungsmacher: inhaltlich und optisch Seriosität beweisen, Lokales verstärken und bis auf die Titelseite tragen, Ressorts auf den Seiten vermischen und die eigenen Stärken erkennen und zum Ausdruck bringen. Diesen Autoren kommt es gar nicht in den Sinn, auch über Gratiszeitungen und Anzeigenblätter zu schreiben.
Ihnen widmet sich eine aktuelle Studie von Gogol Publishing unter dem Titel „Reichweitenkönige, Innovationstreiber, mediale Nahversorger“ (www.gogol-publishing.de). Dabei werden alle Länder Europas verglichen. Gratis-Tageszeitungen konnten sich nur in Deutschland nicht durchsetzen (z.B. im Gegensatz zu Italien, wo es keine Wochen-Anzeigenblätter gibt). Die 1411 deutschen Anzeigenblätter erreichen derzeit 58 % aller Haushalte, überwiegend durch direkte Zustellung. Deutsche Tageszeitungen und Anzeigenblätter konnten 2013 mehr Werbeumsatz auf sich vereinen als Fernsehen, Radio oder Online. Nur in Frankreich wird für Online-Werbung mehr ausgegeben als für Print-Werbung. Lediglich 1 % der Anzeigenblätter in Deutschland pflegen eine Online-Ausgabe (Schweiz 26 %). Daran wird sich 2014 nicht viel ändern.
Die Unternehmensberaterin für digitale Medien, Amy Webb, sieht für ihren Bereich 10 Techtrends (Medium Magazin 12/2013): 1. Vorausschauende Algorithmen, z.B. wird aufgrund der erfassten Gewohnheiten im Netz die Ware schon losgeschickt, bevor die Bestellung eingegangen ist (Anm.: trifft eher für die USA zu). 2. Smart Virtual Personal Assistants (SMVA) liefern Informationen nach den persönlichen Lese-Gewohnheiten oder vorgegebenen Wünschen. 3. Die Anzahl der Videos im Netz wird explodieren. 4. Massive Open Online Courses (MOOCs) vermitteln Zugang zu Wissen (z.B. Khan Academy). 5. E-Kommentare werden kanalisiert. 6. Plattform oder Portal? D. h., Medien müssen sich entscheiden, ob sie eigene Inhalte produzieren oder Inhalte aus dem Netz nur kuratieren (z.B. Google). 7. Mikro-Computer ohne Bildschirme werden überall zugegen sein. 8. Tools zur Aufbereitung von Big Data unterstützen journalistische Aussagen. 9. Drohnen helfen bei Recherche und Fotografie. 10. Mit digitalen Werkzeugen werden reale Dinge geschaffen (z. B. 3-D-Drucker). Der Deutsche Zeitschriftenverlegerverband indes entdeckte, dass 2015 nur noch 54 % der Mitglieder sich vornehmlich auf Printprodukte konzentrieren werden. 18 % setzen dann auf das Digitalgeschäft (heute 6 %).

 

Quelle: Medienfachverlag Oberauer. Johann Oberauer GmbH