Multiple Sklerose & Co. an der Ursache behandeln

(ek) Bei Autoimmunkrankheiten greift das eigene Immunsystem Körperzellen an, deren Identifikation als „eigene Zellen“ sie vorher nicht erfahren haben. So verbergen sich Gehirnzellen hinter der Blut-Gehirn-Schranke. Wenn das Immunsystem durch Infektionen auf gewisse Antigene „scharf“ gestellt ist, die zufällig auch die eigenen Gehirnzellen zeigen, dann entwickelt sich bei genetisch vorbelasteten Menschen Multiple Sklerose (MS). Das Gleiche gilt für das Rückenmark, und selbst Zellen des peripheren Nervensystems können Ziel sein (Guillain-Barré-Syndrom).

Das Forscherteam Prof. Roland Martin/Dr. Andreas Lutterotti, Herausgeber des Standard-Werks „The Molecular Basis of Multiple Sclerosis“ (2012), setzt genau an diesem Schwachpunkt des Immunsystems an: Sie ermitteln, welche Antigene des eigenen Körpers die Immunzellen nicht kennen und „trainieren“ sie auf diese Antigene, so dass eine Immun-Toleranz entsteht. Dazu wird dem Patienten drei Stunden lang Blut entnommen, werden die roten Blutkörperchen isoliert und mit den Ziel-Antigenen bestückt. Dann gelangen sie wieder in den Blutkreislauf. Diese bestückten Blutzellen sterben im Körper durch Apoptose ab und werden in Milz und Leber entsorgt. Dort findet aber auch das Training der adaptiven Immunzellen auf körpereigene Antigene statt. Dies dauert einige Monate. Dann soll der Patient geheilt sein.

In einer ersten Studie mit weißen Blutkörperchen wurde die Behandlung gut vertragen, und es traten keine Sicherheitsbedenken auf. Der messbare biologische Effekt war umso besser, je mehr Blutzellen eingesetzt wurden. Im Juni soll eine 2a-Studie den neuen Prozess bestätigen. Doch davor muss die Finanzierungshürde genommen werden. Von staatlicher und EU-Seite wurde kein Geld zur Verfügung gestellt.

Kaum zu glauben, da es sich um das bisher einzige Verfahren handelt, das Aussicht auf nachhaltigen und vielleicht langfristigen Stopp der Erkrankung bietet! Alle anderen Forschungsansätze zielen auf Linderung und Verzögerung der Krankheit ab mit monatlichen Kosten von 3.000 € – lebenslang. Ganze 2 Mio. € sind für die 2a-Studie nötig. Hier tritt die Stiftung „Forschung für Leben“ in Aktion. Sie geht vermögende MS-Patientinnen und -Patienten an, die bereit sind, 100.000 € und mehr zu spenden, um die Weiterentwicklung dieses vielversprechenden Verfahrens zu unterstützen und von der Krankheit endlich erlöst zu werden. Die Stiftung garantiert die Qualität des Forschungsprojekts und der Forscher und erteilt die Spendenquittung. Indirekt beteiligt sich so der deutsche Staat doch an den Kosten mit durchschnittlich 50 %.
Das Verfahren eignet sich möglicherweise dann auch bei anderen Autoimmunkrankheiten und Allergien.

Wenn das Verfahren weitere Studien absolviert, kann es der breiten Öffentlichkeit weltweit zur Verfügung gestellt werden. Das Verfahren eignet sich möglicherweise dann auch bei anderen Autoimmunkrankheiten und Allergien. Diese personalisierte Medizin erfordert freilich einen gewissen Aufwand (Antigen-Identifikation, Antigen-Herstellung und das Blutwäsche-Verfahren), so dass das Martin-Lutterotti-Verfahren bei Heuschnupfen oder ähnlichen Allergien sicherlich lange noch zu teuer sein dürfte. Bei den weltweit über 2 Mio. MS-Patienten (drei Viertel sind weiblich) steht die Wirtschaftlichkeit der schmerz- und nebenwirkungsfreien Behandlung dagegen völlig außer Frage.

Der Fokus „Heilung bei MS“ entstand aus dem Mini-Test „Kapern gegen MS“, den die KASTNER AG 2013 durchführte. Während in der Türkei Heilungserfolge vielfach bestätigt wurden, erbrachte die tägliche Verabreichung von Kapern, Kapernfrüchten, Kaperntee und Granatapfelsaft bei den sechs Testpersonen über 3–6 Monate keinen wirklichen Erfolg. Nach Meinung der führenden MS-Forscher könnte die geographische Lage mit hereinspielen oder ein „stärkerer Placebo-Effekt“ in der Türkei bestehen. Mit Prof. Martin und Dr. Lutterotti sind wir nun auf wissenschaftlich bestem Wege.