• Professionelle Medienvorhersage

Viele Blicke in die „Zukunft der Medien“ wagt eine Studie des Zukunftinstituts von Kelkheim/Taunus mit gleichnamigem Titel, die im März 2013 erschien. Sie unterscheidet zwischen Diffusionsmedien mit kurzen redaktionellen Inhalten, die mehr dem schnellen Informiertsein dienen und Fokusmedien, in die sich der Leser/Nutzer bewusst zurückzieht, um sich zu konzentrieren auf ein längeres Aufnehmen der Inhalte, einem Erlebnis jenseits des Informationssmogs der Diffusionsmedien. Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zählen zu den typischen Fokusmedien. Die Autoren erweitern sie um Videospiele, Kino, Live-Events, Weblogs und den neuen Edel-Serien.

Das Fernsehen zählt in Zeiten der i-Phones und anderer Mobiles schon zu den Diffusionsmedien, denn meist werden nebenher Emails, Social Networks u.a. abgerufen. Dieses Phänomen nennt sich „Second Screen“. Es kommt aus Langeweile. In dieser Kategorie des Oberflächlichen, Schnellem rangieren Online-TV, Radio, Medien-Apps, Social Networks, Casual Gaming, Comics und Digital-Out-of-Home. Bei ihnen zählt für den Nutzer die Serendipity, die echte News, die Informationsüberraschung.

Für jedes dieser Medien wird die bisherige und die zukünftige Entwicklung analysiert. Herausgeber Matthias Horx: „Medien interagieren mit ihrem Umfeld. Ihre Zukunft lässt sich vorhersagen, wenn man sie als sozio-evolutionären Prozess begreift. Es sind weniger die Inhalte, sondern der Strukturwandel der Medien selbst, der heute die Welt vorantreibt und wie keine andere Kraft Ökonomie, Gesellschaft, Produktion, Management und Werte verändert“. Die Studie stellt die Verschiebung in der Aufmerksamkeit der Nutzer für das Medium in den Mittelpunkt. Mit der Rückkehr der Konzentration begründet sie z.B. die überraschenden Auflagenzuwächse bei der ZEIT. Für Fokusmedien sind die Nutzer bereit, Zeit und Geld zu geben.

Totgesagte Medien, wie das Kino, erlebten ein Retro z.B. als intellektueller Treffpunkt, als Multi-Ort der neuen Freizeitwelt. Kein neues Medium schaffe deshalb ein altes vollkommen ab, aber es verändert alle vorhandenen. Horx: „Jedes Medium verschiebt seine Gebrauchs-Kontexte unter gesteigerter Konkurrenz in Richtung einer prägnanteren Nische“. So erlebt die Infografik gerade neue Bedeutung und sogar eine „Schönheit“, wenn sie den menschlichen Geist in Richtung Verstehen, Kreativität und Komplexität mitnimmt.

Anja Kirig analysierte den Buchmarkt: „Die neue Wertschätzung des Buchs als Kulturobjekt lässt sich an der Print-it-Yourself-Bewegung ablesen. Was digital kreiert wurde, möchte der Nutzer real in Händen halten. Das Bedürfnis der Konsumenten nach dem Geruch von Tinte, der Haptik schönen Papiers, von Prägung und dem Gefühl etwas in der Hand zu haben, wächst mit der Menge digitalen Contents“. Durch die Nutzung von E-Books werden insgesamt mehr Bücher gelesen. Kirig: „Die interessante Frage ist, wann und wo wird Print – zu seinem eigenen Vorteil – das E-Book ergänzen und vice versa? Bücher, die gefallen, solche für die Ewigkeit oder fürs Regal, werden weiterhin in Printversion gekauft, dann aber in Hardcover. Illustrationen, Bilder – alles, was durch multisensorische Eindrücke erst erlebbar wird, wird auch künftig Platz im Bücherregal finden.“ Gedruckt werden weiterhin Bildbände, Kunstbücher oder auch DIY- und Mitmachbücher sowie Coffeetable-Books. Doch daneben können Enhanced E-Books entstehen.

Fachbücher werden bevorzugt als E-Book erscheinen, da die Inhalte zu schnell veralten. „Öffentliche Bücherschränke, die weltweit kostenlos und anonym Bücher zum Tausch oder zur Mitnahme anbieten, boomen regelrecht. Die Buchbranche muss dem Re-Commerce mehr Aufmerksamkeit widmen, denn für die Kunden sind Rücklaufartikel und Restposten on- wie offline (=print) interessant“, so Kirig. Der stationäre Buchhandel kann nur dort überleben, wo er zum Erlebnisort wird, dem Fokus-Leser Raum gibt, eine Wohlfühl-Oase bietet.

Thomas Huber untersuchte die Zukunft von Zeitungen und Zeitschriften: „Printmedien werden künftig relevantere Inhalte liefern und in einem kleinteiligeren Markt Produkte auf vielerlei Wegen anbieten müssen. Nutzer werden gedruckte Produkte künftig vor allem in Hochfokussituationen lesen. Alles was unterhaltenden Charakter hat, wandert in den Diffusionskanal ‚Digital‘ [= elektronische Übertragung]“. Es kommt auch Medienschelte: „Services im Internet haben gezeigt, was möglich ist, wie individualisiert, intuitiv, nachbarschaftlich-sozial und inspirierend Angebote sein können – diesen Anspruch erfüllen die Konzepte der Verlage bisher kaum“. Das gelte gerade auch für die Werbung in Printmedien. Huber: „Ein neues realdigitales Kontinuum entsteht, in dem mediale Nutzung weniger ritualisiert sein, sondern situativ entschieden wird“. Die tatsächlich gedruckten Produkte müssen deutlicher auf eine anspruchsvolle Leserschaft gerichtet werden.

So sei echter Journalismus wichtiger denn je. Medienforscher Michael Hallemann: „Journalisten müssen einordnen, Agenda setzen, erklären. Je unübersichtlicher es im Netz wird, umso wichtiger werden sie wieder“. Die Gründerin des Slow Media Instituts, Sabria David, ergänzt: „Der Journalismus der Zukunft braucht den Leser der Zukunft. Dieser ist ein Beiträger, ein Nachdenker, ein Mitmacher“.

Doch dieser Leser wird eine dezidiert für das Medium reservierte Zeit  mit Printprodukten abdecken, ist sich Huber sicher. Sie hätten gegenüber Screen noch einen Vorteil des „Formfaktors“: zum Lesen wird keine Hardware und kein Strom benötigt. Alessandro Ludivico prägte zur emotionalen Kraft des Papiers den Satz: „Paper is flesh, screen ist metal“.

Huber stellt auf die situative Nutzung ab: „Welche Aufbereitung will der Nutzer als ‚stabiles‘ Produkt, was reicht ihm in ‚flüchtiger‘ Form volatiler Onlineprodukte? Die Tage immer größerer Druckmaschinen sind somit gezählt. ‚Flowabilität‘, die Anpassung an nicht im voraus definierte Formate des Inhalts, wird eine wichtige Komponente von Journalismus und Verlegertum.“ Trotz der begrenzten Darstellungsmöglichkeiten bleibe, so Huber, Print ein wichtiges Umfeld für Markenbotschaften: „Die enormen Vertrauenswerte und die künftig zunehmend intensivere, fokussierte Nutzung machen gedruckte Medien zu einem der wenigen klar definierbaren Nutzungsorten der Zukunft, in denen eine Botschaft eine Chance hat, dem Leser etwas Relevantes zu vermitteln.“

 

• Contentserv-News

MarketingDays2013: Erfolgsperspektiven für zukunftsfähiges Marketing

Marketing-Information-Management, Multi-Channel-Publishing und E-Commerce stehen im Fokus der CONTENTSERV MarketingDays 2013. An drei Veranstaltungsorten in Deutschland und der Schweiz informiert CONTENTSERV zusammen mit seinen Partnern vor Ort über wichtige Trendthemen, aktuelle Praxisumsetzungen und Erfolgsrezepte für international agierende mittelständische Unternehmen. Die Teilnehmer erhalten Einblick, wie sie Produktinformationen ohne manuellen Mehraufwand parallel in viele Kanäle und Medien gleichzeitig bringen können, wie Marketingprozesse zentral optimiert werden können, um die wachsenden Anforderungen einer explosionsartig wachsenden Medienwelt zu meistern und wie zukunftsfähiges E-Commerce mit System aussehen kann.

Die CONTENTSERV MarketingDays 2013:

29.08.2013 in Zürich – Multi Channel Publishing in internationalen Märkten
12.09.2013 in Ludwigsburg – Marketing Management der Zukunft
26.09.2013 in Mainz – E-Commerce und Multi Channel Management

Vormerken: CONTENTSERV-OpenHouseDay am 10. Oktober 2013

Über 150 Teilnehmer, 4 Vortragsreihen, hochkarätige Referenten – der OpenHouseDay 2012 übertraf alle Erwartungen des Veranstalters CONTENTSERV im letzten Jahr. Für das Event-Team kein Grund, das nicht noch zu toppen: Seit Monaten läuft bereits die Planung für das große Herbstevent 2013. Dabei hat man sich viel vorgenommen. Hochklassige Referenten wurden verpflichtet, um Interessierten, Kunden und Partnern ein spannendes Programm zu bieten. Das Netzwerken soll dabei durch längere Pausen noch intensiver möglich sein. Und: Klasse ist auch am Abend geboten – beim köstlich kulinarischen Ausklang mit bayerischem Sushi und Livemusik. Das CONTENTSERV-Team freut sich jetzt schon auf zahlreiche interessierte Teilnehmer.         (cs)

Gabriele von Endes Farbwelten in der Galerie-Galerie

Bis Ende 2013 zeigt die Münchner Malerin bei CONTENTSERV ihre abstrakten farbenstarken Bilder. Auf dem OpenHouseDay am 10. Oktober gegen 19 Uhr wird Kunstförderer Eduard Kastner die Künstlerin und ihren bei der KASTNER AG verlegten Katalog vorstellen.       (kw)

Webinare zu Produktmarketing und Multi-Channel-Management

Seit Juni bietet CONTENTSERV regelmäßig Webinare an, um die Möglichkeiten von CONTENTSERV bequem und unverbindlich vom eigenen PC aus kennenzulernen – Zielgruppe sind insbesondere mittelständische Unternehmen, die auch international ihre Produkte vertreiben. Wann ist der Einsatz der CONTENTSERV-Lösung sinnvoll? Welche Möglichkeiten eröffnen sich gerade im Produktmarketing und Multi-Channel-Management? Mehr dazu unter www.contentserv.com       (cs)