Wohnung & Haus unterwegs
Immobilienkrise hautnah erlebbar
Dipl. Kfm. Eduard Kastner, Wolnzach 

Die „grüne Insel“ liegt nur zweieinhalb Flugstunden von München entfernt. Doch im Immobilienmarkt erlebte die 12-köpfige Reisegruppe amerikanische Verhältnisse: viele leerstehende Geschäftshäuser und Wohnungen, eingestellte Rohbauten. In Irland herrscht noch tiefe Rezession. Appartements, die 2008 stolze 600 000 € kosteten, werden nun für 250 000 € angeboten, ohne einen Käufer zu finden. Zu schnell war der „keltische Tiger“ gewachsen, erlebte eine Hype seit Mitte der 90er Jahre. Heute wird sie als „Blase“ bezeichnet. Eine Rückkehr zur gewohnten Geschäftigkeit kann Jahre dauern. Kein Vergleich zur Krisenbewältigung in Bayern. 



Andererseits haben die Iren schon viele harte Zeiten durchlebt. Erst 1922 schüttelten sie die englische Bevormundung ab. Im Tourismus lassen sie sich die Baisse nicht anmerken. So wird im Stadtteil „Temple Bar“ jeden Abend musiziert und mit den Besuchern aus aller Welt gefeiert. Auch im Sport wie Rugby oder englischer Fußball hat sich die Welt nicht geändert. 

Wir hatten unser Hotel, das „Croke Park Hotel“, auf der Frontseite des drittgrößten Stadions Europas. Am letzten Abend spielte Irland gegen Australien. Danach strömten Unmengen in die Hotel-Bar, obwohl Irland verloren hatte. Ein unvergessliches Erlebnis an Überfüllung und Lautstärke. Doch am nächs­ten Morgen war alles, wie wenn nichts gewesen wäre. Das Hotel der Viersternekategorie verwöhnte uns mit großzügigen modernen Zimmern, einem britischen Frühstücksbuffet und Abendmenüs, die internationalem Standard entsprachen. Der schlechte Ruf der irischen Küche erreichte uns nirgendwo in und um Dublin. Doch das Wetter – Wolken und Regen – kann nicht verändert werden. Nur einen Tag schien die Sonne und ließ das Land zum Ferienparadies werden. Die übrigen drei Tage drückten die Wolken. Der Niesel-Regen nur ihre feuchte Aussprache? Die Farben der Türen und mancher alleinstehender Gebäude wollen dieses Grau durchbrechen. Halloween wird groß gefeiert – viele bunte Kostüme zwei Wochen lang in den Straßen, vor allem am Abend. Wir waren dabei. 



Iren leben nicht gern in Miete. Jeder Ire versucht, ein Eigenheim zu erlangen. Gewagte Finanzierungen wie in den USA zerstörten leider so manchen Traum. Wer die Hypothek nicht bediente, musste ausziehen. Manche Häuser wurden gar abgerissen. Die Ferien führten so nicht mehr nach Fernost, sondern in den weitläufigen Phoenix-Park mitten in der Stadt (800 ha), dort wo für Johannes Paul II. ein großes Kreuz aufgestellt wurde. Oder zu den nahen Halb­inseln mit ihren Naturparks und Fischerhäfen, in denen sogar Seerobben sich tummeln, den Hochmooren der Dublin-Berge, in die Einsamkeit des großen Landes. 

Dort erlebten wir Beispiele der frühchristlichen Kloster, von wo Bayern missioniert wurde. Hohe minarettähnliche Türme markierten sie. Aus der englischen Vorherrschaft entstanden prächtige Landsitze und Schlösser mit gepflegten Parkanlagen. Wir besuchten „Powerscourt“ und „Malahide Castle“, das bis zu den „Anglo-Normannen“ zurückreicht. Viel erfuhren wir über die Wikinger, die ab dem 7. Jahrhundert einfielen und kurz vor den Normannen von den keltischen Königen besiegt wurden. Sie brachten Pferde und Musik­-instrumente übers Meer. 



Das Staatssymbol Irlands ist die Harfe. Gespiegelt kennzeichnet sie aber auch die Guinness Brauerei. Auf 26 ha breitet sie sich im Stadtgebiet aus. Der Pachtvertrag wurde 1759 eingegangen – für 45 Pfund jährlich – und läuft über 9000 Jahre. Das Hausmuseum mit Aussichtsbar im 7. Stock sahen sich seit 2000 bereits 7 Millionen Besucher an. Alles, was Guinness in die Hand nimmt, wird zum Rekord und so golden wie die Harfe. 100 000 t Getreide verarbeitet jährlich die Brauerei, die nur eine Biersorte produziert. 



Die Whiskeybrennerei Jameson findet sich ebenso im Zentrum Dublins. Auch hier ein ansprechendes Museum mit Führung und Verkostung. Einige von uns erhielten sogar eine Urkunde über die richtige Whiskey-Wahl. Mit einer Schiffsfahrt auf dem Fluss Liffey mitten durch Dublin am Abflugtag klang die informative Reise beschwingt aus, er­gänzt von einem Besuch der Nationalgalerie für moderne Kunst, mit Francis Bacon und Sean Scully im Mittelpunkt, aber auch vielen französischen Großmeistern. Reiseleiterin Celina Nowak schilderte unermüdlich ihr Land in fließendem Deutsch und Busfahrer Di­mi­tri bugsierte den Kleinbus durch alle engen Straßen. Perfekter kann eine Stadt­reise nicht ablaufen. So erntete Orga­nisator Thomas Fuhrmann viel Lob. 



Bei der Überlandfahrt am 3. Tag stie­ßen wir auf das Landgasthaus „Johnnie Fox´s“ in Glencullen mit viel Krusch an den Wänden, aber Torffeuer im offenen Kamin. Die Küche erwies sich als exzellent. Bill Clinton und viele Promis wie Thronfolger waren schon dort. Musik jeden Abend. Prädikat: das höchstgelegene Pub Irlands. Nur 20 Minuten vom Hafen Dublins entfernt. Früher gab es noch illegal gebrannten Schnaps. 



In Dublin entdeckten wir zwei berühmte besondere Kirchen: die St. Patricks Kathedrale, mit dessen Chor Händel in Dublin seinen „Messias“ uraufführte und die Christ Church Kathedrale, wo der älteste Normanne, der „Strongbow“ ruht. Im Stadtteil „Temple Bar“ hält am Samstag ein kleiner Markt die besten Lebensmittel aus dem Land, meist Bioprodukte, vor: Austern sind besonders delikat. In der Universität, dem Trinity College, wird das Buch von Kells gezeigt und eine riesige Bibliothek mit Eichenholzverkleidung aus Deutschland.