Wohnung & Haus unterwegs
Malta – strategischer Mittelpunkt Europas

Dipl. Kfm. Eduard Kastner, Wolnzach

Thomas Fuhrmann organisierte als BWE-Geschäftsführer schon viele Leserreisen von Wohnung & Haus. Als Vorsitzender des BWEs sollten die fünf Tage vom 18. bis 22. November 2009 auf Malta allerdings eine Premiere werden. Eine gelungene, denn Fuhrmann konnte seinen Erfahrungen uneingeschränkt folgen und alles so arrangieren, dass alle 15 Teilnehmer voll des Lobes zurückkamen. Die Gruppe zeigte sich groß genug, um mit eigener Reiseleiterin alle Details der Insel zu erfahren, aber klein genug, mit einem Minibus überall einfahren zu können. Anna-Marija Schembri zeigte mit viel Humor ihre 400 000 Einwohner zählende Heimat aus den Inseln Malta und Gozo, kannte alle geschichtlichen Fakten, führte immer zu vorzüglichen Restaurants mit typischen Landesspeisen und verehrt Willy Brand für seine Versöhnungspolitik, die in Malta das Deutschenbild von den heftigen Bombardierungen des 2. Weltkriegs befreite. Heute zählen die Deutschen zu den zweithäufigsten Touristen.

Deren Zahl wird bald kräftig steigen, da Malta sich als legale Steueroase in der EU erweist. Schon am ersten Abend wurde die Reisegruppe als „Bavarian delegation“ im Hotel von zwei Referenten des PPP-Unternehmens „Malta Finance“ über die Grundzüge des maltesischen Gesellschafts- und Steuerrechts ausführlich informiert. So wurde der Ausflug zum jüngsten Staat der Europäischen Union sogar zur absetzbaren Geschäftsreise. Das Dolmen-Hotel stellte dafür Raum und Beamer.

Daran ist zu erkennen, dass die Unterbringung besser als viele Vorgängerinnen ausfiel: mit eigenem Meerstrand (Wassertemperatur noch 20° C – einige wagten das Schwimmen), mehreren Süßwasserpools (zu kalt), Hallenbad, Fitness, Sauna und einer breiten Palette an Bars und Restaurants. Das Hotel war um eine für Malta charakteris- tische Tempelanlage gebaut worden, womit die Steinblöcke aus der Zeit von 2500 v. Chr. gemeint sind, die noch die Mauern und den Eingang rudimentär darstellen. Die ovale Form der Innenräume und weibliche Statuen lassen auf einen Fruchtbarkeitskult schließen. 4200 v. Chr. entstanden die ersten „Tempel“. Warum die frühen Einwohner Maltas so einen großen Aufwand im Verhältnis zu ihren technischen Mitteln betrieben, bleibt bislang noch reine Spekulation.

Aus der Römerzeit gibt es verhältnismäßig wenig Funde, da die danach eingefallenen Araber diese Kultur auslöschen wollten. Sie wurden aber nach zwei Jahrhunderten von den Normannen vertrieben, die auf den Inseln Malta und Gozo ein Adelssystem entstehen ließen, dessen Familien heute noch Ansehen und Wohlstand genießen. 1530 schenkte der spanische König in Nachfolge der Normannen Malta den Johannitern, den Tempelrittern, die von den Türken aus Rhodos vertrieben waren. Sie bestanden erfolgreich 1565 eine große türkische Belagerung und bauten den größten Naturhafen der Welt zur stärksten Festung Europas aus, die Neuanlage der Staat Valletta inbegriffen. Malta wurde zum Bollwerk des Christentums gegen den Islam. Es gab sodann auch wirklich keine türkischen Angriffe mehr.

Alle Mächte präsent
Bei den Tempelrittern kamen die Adeligen ganz Europas zusammen, wählten einen Großmeister auf Lebenszeit und unterwarfen sich den Geboten des Ritterordens wie Armut und Keuschheit. Aus der ursprünglichen Pflege der Kreuzritter in Jerusalem kam der Anspruch auf vorbildliche Krankenbetreuung. So sind die Johanniter heute noch international im Einsatz, obwohl sie 1798 mit Napoleons Einzug auf Malta ihre Inselherrschaft aufgaben. Das Plündern der reichen Kirchen und Paläste durch die Franzosen ließ die Malteser die Hilfe der Engländer herbeirufen. Sie blieben bis 1979. Malta ertrug die Kolonialmacht geduldig. Als Flottenstützpunkt der Weltmacht brachten die Briten auch wirtschaftlichen Wohlstand.

Englisch wurde zur zweiten Nationalsprache und ist es geblieben, während das „Malti“ von den Arabern kommt, aber lateinisch geschrieben wird. Diese Sprache schafft einen Brückenkopf zum Nahen Osten. Wenn heute noch viele Europäer auf Malta versuchen, Englisch im täglichen Leben zu lernen, so zeigt sich dies aber schnell als Trugschluss. Viele jüngere Malteser, selbst Akademiker, können Englisch nur noch mit (schwerem) Akzent sprechen.
Die Malteser blieben auch immer streng katholisch. Noch heute kommt ein Priester auf 1000 Einwohner, werden 360 Kirchen auf Malta unterhalten, feiert jede der 70 Pfarrkirchen ihren Patron mit einem großen Fest im Sommer, ist Abtreibung ausnahmslos verboten und sind Scheidungen nicht möglich (dafür Annullierungen der Ehe – trotz Kinder – gegen ordentliche Bezahlung an die Kirche).

Die Grundstücke auf Malta und Gozo sind heute teurer als bei uns in Bayern, obwohl die Sozialisten gleich nach der Unabhängigkeit noch
10 000 Wohnparzellen zur Bebauung verschenkten. Seit 20 Jahren herrschen nun aber die Konservativen/Nationalisten (im Zwei-Parteien-Parlament). Auch wenn viele Verkaufsschilder zu sehen sind, scheint der Immobilienmarkt die Hausse nicht aufhalten zu können. Die Mieten liegen auf Bayern-Niveau außerhalb Münchens, obwohl die Einkommen deutlich niedriger ausfallen als bei uns. Allerdings bleibt den Maltesern viel mehr netto vom Brutto, obwohl der Staat in Bildung und Familie/Soziales, Sicherheit und Industrieförderung Vergleichbares leistet.

Malta wirkt wie ein einziger großer Ort. Ständig finden sich Häuser am Straßenrand. Die Felder dazwischen sind durch Steinmauern abgegrenzt (und klimatisch geschützt) und so wird selbst das Land wie ein Gebäude wahrgenommen. Ein Ausflug nach Malta zählt also als „Städtereise“, selbst wenn das Meer auch mal eine blaue Grotte bietet. Das „malerische Fischerdorf“ liegt vor einem der zwei Öl-Heizkraftwerke und dahinter folgt gleich der neue Container-Hafen. Gozo will noch ursprünglicher sein, als „Insel ohne Stress“ gelten, doch die Natur zeigt sich auch wenig romantisch. Vielleicht sollte der Besucher sie zu Fuß erfühlen.

Alle Tage waren gekennzeichnet von guten Temperaturen um die 20 Grad, partiellem Sonnenschein, der schnell den Pullover ausziehen ließ. Eigentlich ein ideales Reisewetter, wenn es viel zu erkunden gilt. Bis März währt dieser „Winter“. Im Januar und Februar kann es gar bei 5° C ungemütlich werden, zumal die Luftfeuchtigkeit von 100 % alles schnell mit Nässe überzieht. Dafür ist der August mit über 35° C für Zentraleuropäer zu heiß, den Juli und September mit einbezogen. Es sind diese drei Monate, in denen die Kinder schulfrei feiern. Das hat seinen Grund in unserer Bildungswettbewerbsgesellschaft.

Das ganze Land zeigt sich bestens organisiert und sehr aufgeräumt. Unsere Straßen sind schmutziger. Also doch die zukünftige Schweiz der EU? Noch findet sich kein Bankviertel im Zentrum von Valletta, noch herrschen die „Touris“, meist in Gruppen geführt, gleicht alles einem großen Stadtmuseum, allerdings mit orientalischem Fassadenbewusstsein. Der Brückenkopf Malta entwickelt sich aus der militärischen Lage zum interkulturellen Bindeglied mit noch traumhaften Steuersätzen. Nur 140 Flugminuten von München entfernt.

>>> PDF Investing in or through Malta


Eckdaten Malta-Besteuerung

  • Körperschaftssteuersatz: 35%
  • Gültiges Doppeltbesteuerungsabkommen mit Deutschland d. h. keine Nachversteuerung von Ausschüttungen durch den deutschen Fiskus (Absicherung vorab durch Finanzamt vor Ort empfehlenswert).
  • Malta gewährt auf ausgeschüttete Erträge Steuergutschriften, so dass die effektive Versteuerung auf 5 % der Gewinne fällt. Spezialfälle erreichen gar 0 % Versteuerung.
  • Zur Gründung einer kleinen Kapitalgesellschaft (Ltd.) bedarf es nur eines Vertrags, keines Notars und eines Stammkapitals von 1165 €, das zu 20 % einbezahlt werden muss.
  • Bei einer Aktiengesellschaft verlangt Malta 46 588 € Stammkapital, zu 25 % bei der Gründung angezahlt. Für die Anerkennung der Besteuerung auf Malta durch den deutschen Fiskus muss allerdings ein ordentlicher Geschäftsbetrieb auf Malta bestehen mit Geschäftsführer etc. Ein Aufsichtsrat ist nicht nötig.
  • Grundstücke/Immobilien werden entweder mit 35 % auf den Zugewinn bis 7 Jahre oder mit 12 % auf die Gesamtverkaufssumme besteuert. Selbstgenutzte Immobilien sind für Einwohner Maltas nach 3 Jahren steuerfrei veräußerbar.
  • Die Lohn- und Einkommenssteuer kennt 15, 25 und 35 % je nach den Schwellenwerten des Einkommens.

Weitere Informationen von
Dr. Griemla, Deloitte, Düsseldorf, Tel. 0211/8772-2038

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