Vortrag: Einblicke in die Ewigkeit mit
dem Theologie-Professor Dr. Klaus Berger

Berger ist einer der führenden Theologen für das neue Testament. Die Veranstaltung findet im Hopfenmuseum in Wolnzach statt und beginnt um 19 Uhr, 6. April 2006.

Informationen über Professor Berger

  • Prof. Klaus Berger zählt zu den besten Kennern des Neuen Testaments, seiner Hintergründe, seiner Sprache und der Schlüsse daraus: Lehrstuhl an der evangelischen Fakultät in Heidelberg bis Ende 2005, obwohl er „mehr Katholik ist.“ Berger übersetzte die Schriftenrollen von Qumran für den Vatikan. Papst Benedikt XVI. liest jedes seiner Bücher. Sie sind revolutionär für die Kirchen, und auch kaum zu widerlegen. So bewies Berger, dass das Johannesevangelium nicht später entstanden ist als die anderen Evangelien, dass es von einem Mann aus Alexandrina geschrieben wurde (und nicht vom Apostel) und dass Andreas der Lieblingsjünger Jesus war und er sich im Johannesevangelium wieder findet.
  • Berger schrieb folgende Bücher:
    "Qumran und Jesus“ (1993), „Psalmen aus Qumran“ (1994), „Wer war Jesus wirklich“ (1995), „Theologiegeschichte des Urchristentums“ (1995), „Ist Christsein der einzige Weg?“ (1997), „Im Anfang war Johannes“ (1997) u.v.m.



    Fragen an Prof. Berger, die auf der Veranstaltung im Rahmen einer Talkrunde voraussichtlich gestellt werden. Wer selber noch Fragen hat, kann diese an das medienhaus KASTNER AG senden: demmel@kastner.de!

  • 1. Bei Ihrem letzten Vortrag in Wolnzach (1997) schrieben Sie gerade am Buch "Am Anfang war Johannes", in dem Sie das Johannesevangelium neu datierten (parallel zu den Synoptikern), den Apostel Johannes nicht als den Verfasser und nicht als den Lieblingsjünger identifizierten, sondern den Andreas - Mentor des Evangeliums mit paulinischem Gedankengut. Eine kleine Revolution. Die aber auf festen Füßen steht. Welche Probleme aber ergeben sich nun für die Theorie, die den "Johannes" schon wegstreichen wollte d.h. die Widersprüche zwischen "Johannes" und den Synoptikern haben sich verschärft?

  • 2. In Ihrem Buch "Am Anfang war Johannes" erschütterten Sie mich beim Vergleich der Lazarus-Ereignisse in den Evangelien. Auf der einen Seite die Auferweckung von den Toten, als eines der größten Wunder (Herr, er riecht schon!, Joh. 11), andererseits nur im Gleichnis armer Lazarus: Reicher im Fegefeuer (Lukas 16,27). Das soll das Gleiche im Ursprung sein? Welche Freiheit der Darstellung nahmen sich die Evangelisten? Auch z.B. in den letzten Worten Jesus am Kreuz. Das sind doch ganz verschiedene Sätze (und sogar bei den Synoptikern).

  • 3. a) Die Evangelien hatten schon sehr viel Theologisches/Dogmatisches an sich, obwohl sie doch nicht so lange nach dem Auftreten Jesu aufgeschrieben wurden wie z.B. jede Kommunikation Mensch-Gottvater geht über den Gottessohn bzw. Jesus = Gott wurde in kürzester Zeit als Theologie erarbeitet (auch die heutige Wertung der Paulus'schen Kirche) oder sind es doch Ursprungsworte Jesu?

    3. b) Mir kommen die Evangelisten wie Propagandaleute vor. Sie dürfen so viel erfinden, ja vielleicht "lügen" damit der Glaube an Jesus erzeugt wird. Der Zweck heiligt die Mittel. Werden Sie vielleicht auch deshalb "Heilige Schrift" genannt? Oder werden sie so genannt, weil sie aus dem Heiligen Geist geschrieben sind?

    3. c) In welcher Verfassung waren die Evangelisten
    - in Verteidigung gegen die Juden?
    - in Verteidigung gegen das Vergessen?
    - triumphierend: wir haben den Messias?
    - politisch taktierend, wie die Apostel Wege suchend zur Weltkirche im 
      römischen Reich?
    - die Göttlichkeit Jesus' erfahrend wie in einem Rausch?

  • 4. Die Logienquelle, die den Evangelien zugrunde lag, wurde in den 90er Jahren rückentwickelt aus den Evangelien und verfasst - warum aber nur in einem Zeitschriftenbeitrag, den nicht einmal die Katholische Akademie in München findet? Sie wäre doch ein ganz wichtiges Instrument zur Authenzität Jesu?

  • 5. In der heutigen Glaubenswelt ist die Auferstehung Jesu von den Toten das Wichtigste, seine "Gottdimension". In den Evangelien kommt dies nur sehr kurz vor und eher vage, ja zum Teil widersprüchlich. Bei einem Indizienprozess ließe sich damit nichts festmachen. Das Leiden Jesu, seine Kreuzigung, waren viel wichtiger für alle vier. Sie sagten mir bei Ihrem letzten Besuch das käme von den damals schon zu erwartenden Martyrien - der Vorbildfunktion Jesu. Aber der heutigen Theologie erwiesen sie damit keine großen Dienst. War die Auferstehung im 1. Jahrhundert nicht wichtig?

  • 6. Obwohl alle Evangelien auf Apostelschilderungen und -überlieferungen zurückgehen (z.B. Markus nach Petrus, Lukas nach Paulus, Johannes nach Andreas) schneiden die Apostel in den Evangelien eigentlich nicht gut ab: sie verstehen die Worte des Herrn nicht, noch seine Todesangst beim Abendmahl, sie verleugnen ihn (Petrus), sie erkennen ihn nicht (nach der Auferstehung), sie streiten um die Gunst des Herrn etc. Später sind die Apostel selbst Wundertäter etc., haben Charisma, zumindest in den Apostelgeschichte, tragen das Wort Christi in die Welt. Warum dieser Bärendienst an ihrer Autorität?

  • 7. Jesus wird in Ihrem Buch "Wer war Jesus wirklich" ja sehr konturenreich. Als Nasiräer dürfte er nie rasiert sein, ja nicht einmal sein Haar geschnitten worden sein. Aus seiner "Grundausbildung" müsste er ein Asket gewesen sein, also ein harter Bursche. Hat er sich als "Bräutigam" für das Opfermahl bei seinem öffentlichen Auftreten dann doch rasiert, das Haar geschnitten? Dann beginnt alles auch sehr "soft" zu werden. Die Liebe über alles bringt ihm beim Abendmahl "einen Jünger mit dem Kopf auf seiner Schulter ruhend", ja fast wie im Hippie-Kult. Manche behaupten zwar, das Abendmahl sei nicht authentisch (ein Jude trinkt nie Blut etc.), auch weil es fast wortgleich in den Evangelien vorkommt, dann würde der Softie auf Jesus ruhend herausfallen - vielleicht war es auch eine Frau - die Magdalena - Dan Brown lässt grüßen. Wie denken Sie über diese Abendmahl-Schilderung und wie müssen wir uns Jesus als Typ vorstellen?

  • 8. Es bestehen auch ganz normale Fehler bzw. Ungereimtheiten in den Evangelien seit ihrer Entstehung: die jungfräuliche Geburt wird doch verstanden als Zeugung durch Gottvater und gerade nicht durch Josef. Trotzdem führen die Evangelien (Mathäus, Lukas) den Stammbaum Jesu mit Endpunkt Josef auf. Wir wissen um die mangelhaften Griechisch-Kenntnisse Luthers. Trotzdem wird seine Bibelübersetzung hochgehalten. Sollten wir nicht einmal eine wirklich gute Übersetzung bekommen, vielleicht sinnlogisch, wie Sie es könnten (siehe Johannes).

  • 9. Der historische Jesus - der theologische Jesus heute eine Weiterentwicklung. Wie verträgt sich das mit der Göttlichkeit Jesus? Müsste aus der Göttlichkeit nicht die Authenzität folgern? Oder ist die Göttlichkeit auch schon dazugemacht - schon mit den Evangelisten? Der Islam kennt Jesus als Propheten an (war das nicht theologisch gefährlich für Mohammed?) Von Göttlichkeit ist keine Rede. Die Juden negieren bis heute Jesus als Prophet und mehr. Ihr Messias wird aber nicht mehr kommen, das haben sie eingesehen. Alle Prophezeiungen, ja das Alte Testament, sind damit entwertet. Historisch hat Jesus, das Christentum gesiegt. Die ganze Messiastheologie ist auf das Christentum übergegangen. Schuld und Sühne, der ganze theologische Überbau. Aber ist es für uns heute nicht genauso obsolet wie wir den Teufel nicht mehr anerkennen oder die Engel? Die Radikalität der Jesu-Worte wie z.B. im Thomas-Evangelium erhalten, wurde von der Welt-Kirche entschärft. Frauen unter den Jüngern verschwanden aus der Bibel. Jesus wurde immer mehr absolutiert, immer höher gehoben. Brauchen wir das alles? Muss Jesus interpretiert werden, angefangen von den Aposteln, dann den Evangelisten bis heute durch Rom? Brauchen wir den dazuerfundenen Teil des Jesusbilds? Ihre Position ist immer "im Zweifel für die Authenzität der Evangelien, prinzipiell nichts weglassen". Sind die uns heute vorliegenden Evangelien authentisch aus ihrer Rückverfolgbarkeit bis zu ihrem Ursprung? Wer hätte überhaupt die unerschütterliche Möglichkeit gehabt zu schummeln? Kam bei der vorläufigen Geheimhaltung der Qumran-Schriften (Verschlusssache) dann doch das schlechte Gewissen der Kirche zutage? Gab Jesus für die Kirche doch zu wenig her, war er zu menschlich? Nicht der von Gott zu uns Herabgestiegene und wieder Zurückgefahrene?

  • 10. Die Evangelien lassen vieles weg. So kommen die Essener darin nicht vor. Warum? Können die Essener in ihren weißen Gewändern mystifiziert zu Engeln werden - bei Maria Verkündigung, am Grab? Wie stark waren die Essener? Qumran war eine Essener-Siedlung? Die Reinheit des Glaubens, der Psalme der Essener, hat sie selbst begeistert. Die Essener haben sich den Messias so stark gewünscht, dass er für sie kam. War Jesus der einzige Kandidat? Es traten doch auch andere Messias-Gestalten vor/nach Jesus auf. Wie müssen wir uns das alles vorstellen? Gab es ein geistiges Oberhaupt der Essener? Der Urgroßvater Jesu (via Anna = Großmutter) war Hoher Priester - der Sadduzäer? Waren die Essener mehr eine Sekte, eine Ordensgemeinschaft?

  • 11. Was heißt "Jesus" übersetzt?

  • 12. a) Jesus irrte mit seiner Vorhersage, er komme bald wieder, um Gericht etc. zu halten. Das ist offensichtlich authentisch. Und wurde nie aus der Bibel getilgt. Aber wer irrt, ist menschlich. Das wissen auch alle Theologen und trotzdem sind sie uneinsichtig für die absolute Göttlichkeit Jesu. Oder gibt es doch eine relative Göttlichkeit?

    b) Das Konstrukt der Dreifaltigkeit ist doch theologisch ein Kopfstand. Hat es etwas gebracht? Sollte es nicht fallen? Gerade der Heilige Geist - er herrschte doch bei Jesus, dann kam er nochmals extra auf die Jünger (Pfingsten). Qumran hatte den Heiligen Geist doch auch. Er ist nicht nur eine Geisteshaltung der geistigen Reinheit und Begeisterung von Gott?

  • 13. Die Heiligen Drei Könige/Kindsmorde/Flucht nach Ägypten stehen in direktem Widerspruch zu Lukas Beschneidungsszene. Gab es deshalb die Hl. Drei Könige etc. überhaupt? Musste nicht die Schrift-Prophetie eingehalten werden durch die Erfindung der Flucht nach Ägypten: aus dem ...... wird er kommen? Die Geburt Jesu war sicherlich nicht im Dezember, sollte sie mit der Volkszählung einhergegangen sein. Jesu Geburt wurde von der Kirche zum Jahresende verlegt - symbolisch. Eigentlich wissen wir doch so viel mehr über Jesus etc. als in den offiziellen Evangelien steht (Apogryphen, koptische Kirche, etc.) und doch gibt es so viel Manipulierbares danach. Muß ein Wissenschaftler wie Sie dabei nicht verzweifeln?

  • 14. Haben Sie nicht auch mal Wut auf diesen Jesus, dass er es Ihnen so schwer macht, seine Welt, seine Geistlichkeit zu fassen?

  • 15. Eigentlich suchten Sie den historischen Jesus. Sie waren kein Anhänger von Dogmen an sich. Sie waren ein Wissenschaftler, kein "Vorgläubiger". Wo und wie haben Sie Jesus gefunden? Was war dies für ein Jesus?