GFT fühlt sich wieder fit
Der mittelständische Internet-Dienstleister blickt hoffnungsvoll
ins Jahr 2004 - und nach Indien

Stuttgart - Für den schwäbischen Internet-Dienstleister GFT-Technologies lautet das Zauberwort der Zukunft Indien". Nach der Übernahme der indischen Tochter des Klett-Verlags sieht GFT-Chef Ulheh Dietz den einstigen Star der Internetökonomie für die Zeit nach der Branchenkrise gut gerüstet.

 Nach drei Jahren Flaute auf dem IT-Markt mehren sich die Zeichen dafür, dass sich die Geschäfte rund um die Informations- und Kommunikationstechnologie wieder beleben. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung warnte Dietz allerdings vor zu großem Optimismus, was den Fortbestand der zahlreichen kleinen, deutschen IT-Nischenanbieter betreffe. "Auch diese Branche steht vor einem Strukturwandel, ähnlich wie ihn zum Beispiel die Maschinenbauer und Automobilzulieferer bereits bewältigt haben", meint Dietz. Nicht nur fehle vielen meist nur national ausgerichteten IT-Firmen trotz des vom Börsenboom hereingeschwemmten Geldes die Substanz, um eigenständig wachsen zu können. Ohne internationale Präsenz auf den wichtigen Märkten zum Beispiel in Osteuropa und Fernost habe ein miittelständisches IT-Untemehmen nur geringe Zukunftschancen.

Deutschland wird für die Softwareentwicklung und Programmierung an Bedeutung verlieren, ist sich der GFT-Chef sicher. Schon deswegen hat GFT Technologies vor wenigen Wochen den Sprung nach Indien getan und die Klett-Verlagstochter E-Quadriga gekauft, die zur GFT India werden soll. Die knapp hundert Mitarbeiter sind auf die Entwicklung von E-Learning-Produkten spezialisiert.

Digitale Briefmarke
Die günstigeren Lohnkosten sind auch für den Internet-Dienstleister ein Thema, der rund 1100 Mitarbeiter in Deutschland, England, Österreich, der Schweiz, Spanien, Ungarn und den USA beschäftigt. Darüber hinaus rechnet Dietz damit, dass schon in wenigen Jahren indische Softwareunternehmen auch in Deutschland auf Einkaufstour gehen und die Produktion nach Indien holen werden. GFT Technologies indessen sieht Dietz nach der Durststrecke in Folge der NewEconomy-Krise wieder gut positioniert. Der führende IT-Servicedienstleister bietet neben der Integration von Internetauftritten auch Softwareprodukte und Beratung an. So implementierte GFT zum Beispiel in diesem Jahr das weltweite neue Markenportal von Mercedes Benz, das 5500 Händler in 170 Ländern verbindet.

Weltweit bisher einmalig ist auch die mit der Deutschen Post entwickelte digitale Briefrnarke "Stampit". Damit können Kunden rund um die Uhr mit dem eigenen Computer Briefe frankieren. "Die britische und die Schweizer Post haben die Softwarelizenz bereits erworben", freut sich Dietz. Mit dem neuen Kooperationspartner Paulus Neef, dem einstigen Gründer der inzwischen untergegangenen Pixelpark AG, strebt GFT zudem in den Markt der Werbe-, Medien- und Konsumgüterbranche. Auf dem ist Neef mit seiner neuen Firma Neva GmbH tätig.

 "Die Zahlen ziehen im zweiten Halbjahr bereits wieder an", gibt sich Dietz optimistisch. Schon die Neunmonatszahlen (zum 30. September) zeugten von leichter Besserung, da der Vorjahresverlust von 11,2 Millionen Euro auf sechs Millionen Euro schrumpfte. Das Ebitda-Minus sank von 6,9 Millionen auf 3,6 Millionen Euro, der Umsatz ging parallel von 119,8 Millionen auf 103,9 Millionen
Euro zurück.

Trotz anhaltender Restrukturierung - von 120 Mitarbeitem hat sich die Firma 2002 getrennt - befanden sich immerhin laut Dietz noch 25,6 Millionen Euro Cash in der Kasse. Das Unternehmen, 1987 von Dietz gegründet, war 1999 an die Börse gegangen. Als Hauptkunden sind die Deutsche Bank mit 25 und die Deutsche Post mit 12 Prozent am Unternehmen beteiligt, an dem die Familie Dietz 40 Prozent hält.