Sind Salzpflanzen eine Lösung?
In den Trockengebieten der Erde ist knapp die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche von Versalzung betroffen. Ob hier Salzpflanzen wirklich normale Nutzpflanzen in Trockengebieten ablösen oder ergänzen können, weiß man noch nicht. Doch es gibt Forscher, die glauben, dass man mit ihnen die Wüste fruchtbar machen kann. Schon seit längerem nehmen Wissenschaftler salzresistenten Pflanzen unter die Lupe - hier einige dieser spezialisierten Pflanzen und ihre Strategien, um auf salzigen Böden zu überleben.


Salzfilter in der Wurzel: die Avicennia marina 
Die Avicennia marina ist ein Mangrovengewächs, das unter anderem an den Küsten der arabischen Wüsten wächst. Diese Pflanze zieht Meerwasser durch feine Membranen, die die meisten Salzmoleküle in der Wurzelrinde zurückhalten. Der Prozess heißt Ultrafiltration. Das Salz, das trotzdem noch durchkommt, scheiden die Blätter über Salzdrüsen aus. Bis zu 5 Prozent Salzgehalt im Wasser kann die Avicennia auf Dauer vertragen.



Avicennia marina

Sehr anpassungsfähig: die rote Mangrove
Auch die rote Mangrove, Rhizophora mangle nutzt diese Filtertechnik. Aber das überschüssige Salz wird sie anders los: Sie leitet es zu ihren Wurzeln zurück und scheidet es dort aus. Dieser Mechanismus funktioniert bei einem Salzgehalt von bis zu 3 Prozent im Wasser. Sie kann sich sehr gut anpassen und auch Überflutungen standhalten, daher ist sie auf fast allen Kontinenten verbreitet.



Rhizophora mangle

Salztanks in den Blättern 
Das Sesuvium portulacastrum (aus der Familie der Mittagsblumengewächse) ist an den europäischen Küsten weit verbreitet. Dieses Kraut lagert das überschüssige Salz in kleine Bläschen in der Zelle ein, die Zellvakuolen. Sie dienen als Abfalleimer und verhindern, dass das Salz in Bereiche der Zelle kommt, wo es Schaden anrichten könnte.



Sesuvium portulacastrum 
 
Sind diese Salztanks voll, wirft die Pflanze das Blatt ab und die jüngeren, nachfolgenden Blätter übernehmen die Aufgabe. Das Sesuvium verträgt auf Dauer einen Salzgehalt im Wasser von mehr als 5 Prozent.



REM-Aufnahme Sesuvium portulacastrum

Das Korn der Anden
Bei den Inkas war es das Hauptgetreide: Quinoa, das Korn der Anden, botanisch Chenopodium quinoa. Die Quinoa-Pflanze pumpt überschüssiges Salz in blasenförmige Haare auf der Blattoberfläche.



Chenopodium quinoa


 
An einer Sollbruchstelle am Schaft knickt das Haar ab, wenn es genug Salz aufgenommen hat und fällt zu Boden. Versagt die Sollbruchstelle, platzt das Haar. Bis zu 3 Prozent Salz kann die Quiona vertragen.



REM-Aufnahme Chenopodium quinoa

Der Drehtür-Trick 
Das Gras Leptochloa fusca kommt aus Ägypten. In den Wurzeln eingelagerte Proteine funktionieren bei dieser Pflanze wie eine Drehtür und schicken Natrium und Chlorid gleich wieder raus, wenn sie mit dem Wasser hereinkommen – es dringt gar nicht erst in die Pflanze vor. Sie verträgt dadurch einen dauerhaften Salzgehalt im Bodenwasser von 5 Prozent.



Leptochloa fusca

Drüsen saugen das Salz an 
An Blättern und Stängeln hat das Gras Sporobolus virginicus Salzdrüsen. Diese nehmen überschüssiges Salz aus der unmittelbaren zellulären Umgebung aktiv auf und scheiden es über die Oberfläche aus. Dabei wird das Salz zunächst in einer Bauchdrüse gesammelt und dann durch eine Halszelle auf die Blattoberfläche befördert. Dort wird es vom Wind oder Regen weggeweht bzw. abgewaschen.



Sporobolus virginicus

Quelle: www.quarks.de/Kostbares Salz/Sendung vom 19. 4. 2005

 

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